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Das leuchtende Moos am Silbenbachfall 🌿 Silbenwald Hörgeschichte für Kinder

13 Minuten Vorlesezeit

Im Silbenwald beginnt dieser besondere Morgen mit einem geheimnisvollen Duft — frisch, kühl und moosdurchdrungen. Piek der Igel folgt seiner Nase, und schon bald gesellen sich Balduin der Dachs, Fippa das Eichhörnchen, die weise Eule und ich, Der Fuchs, zu dem kleinen Abenteuer.

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Es war ein goldener Morgen im Silbenwald, als Piek der Igel aus seiner Laubkugel unter der großen Esche kroch und die Nase in die Luft streckte. Die warmen Laternen an den Bäumen brannten noch, obwohl es längst hell war — so war das im Silbenwald, die Laternen blieben immer ein kleines bisschen wach. Piek schnüffelte. Da war etwas. Etwas Frisches, Kühles, Moosiges. Ein Duft, den Piek noch nie zuvor gerochen hatte. Der kleine Igel reckte sich auf die Zehenspitzen, hob seine Laterne vom Haken an der Eschen-Wurzel und sagte leise zu sich selbst: 'Heute ist ein besonderer Tag.'

Piek trottete den verschlungenen Waldpfad entlang, der sich wie ein schlafendes Bächlein durch das weiche Moos wand. Über ihm raschelten die Blätter und ein Glühwürmchen, das noch nicht schlafen gegangen war, setzte sich für einen Augenblick auf Pieks Laterne. 'Guten Morgen', sagte Piek freundlich. Das Glühwürmchen blinkte zweimal — das bedeutete im Silbenwald so viel wie ein Lächeln — und flog davon. Da hörte Piek von irgendwo im Gebüsch ein vertrautes Rascheln. Zweige knackten. Blätter raschelten. Und dann tauchte ein runder, graubraun gestreifter Kopf aus dem Farngestrüpp auf. Balduin der Dachs gähnte so weit, dass man alle seine Zähne sehen konnte.

Balduin der Dachs war groß und gemütlich und trug immer eine blaue Schürze, weil er so gerne backte. Heute hatte er sie vergessen, was bedeutete, dass er wirklich neugierig geworden war. 'Piek', brummte Balduin mit seiner tiefen, warmen Stimme, 'riechst du das auch?' Piek nickte eifrig. 'Moos', sagte Piek. 'Aber nicht gewöhnliches Moos. Etwas — leuchtendes.' Balduin hob eine große Pfote und zeigte in Richtung des Silbenbachfalls, wo das Rauschen des Wassers durch den Morgenwald klang wie ein leises Lied. 'Ich glaube, es kommt von dort', sagte der Dachs. Piek und Balduin schauten einander an. Dann nickten beide gleichzeitig, und ohne ein weiteres Wort zu verlieren, machten sie sich gemeinsam auf den Weg.

Der Weg zum Silbenbachfall führte durch das älteste Stück des Silbenwaldes, wo die Bäume so dick waren, dass drei Dachs-Arme gebraucht worden wären, um sie zu umfassen. Hier hingen die meisten Laternen, weil es hier zwischen den hohen Stämmen auch am Tag ein wenig dämmrig war. Der sanfte Nebel legte sich wie ein weicher Schal um die Knie der Baumriesen. Piek hielt die Laterne hoch und Balduin trottete bedächtig nebenher. Auf einmal schoss von oben ein orangebraunes Etwas herab und landete mit einem fröhlichen 'Hupp!' genau auf Balduins breitem Rücken. Fippa das Eichhörnchen rollte sich ab und stand quietschvergnügt vor den beiden.

Fippa das Eichhörnchen trug ein gelbes Halstuch und hatte immer Nüsse in den Backentaschen, auch wenn sie gerade keine dabei hatte. Fippa war die Schnellste im Silbenwald und wusste alles, was von oben zu sehen war. 'Ich habe es gesehen!', rief Fippa und hüpfte von einem Bein aufs andere. 'Vom höchsten Ast der Silber-Tanne habe ich es gesehen! Am Silbenbachfall — das Moos leuchtet! Es leuchtet richtig, Piek, nicht nur so ein kleines Blinken wie bei den Glühwürmchen. Es leuchtet sanft und grün und warm, wie eine schlafende Lampe.' Piek zog Luft durch die Nase. 'Dann müssen wir es uns ansehen', sagte Piek ruhig und bestimmt. Balduin brummte zustimmend. Und Fippa machte vor Freude einen kleinen Purzelbaum.

Als die drei um die große Biegung des Waldpfades kamen, hörten sie den Silbenbachfall zuerst als sanftes Rauschen, dann als deutliches Plätschern, dann als ein volles, freundliches Tosen. Das Wasser fiel über drei moosbedeckte Felsen in ein kleines rundes Becken, und in diesem Becken spiegelten sich die Laternen der umliegenden Bäume wie goldene Monde. Doch dann sah Piek es. Auf den Felsen, dort wo das Wasser darüber glitt, wuchs ein dicker Teppich aus Moos — und dieses Moos leuchtete. Es leuchtete sanft und grünlich-weiß, so gleichmäßig und ruhig, dass Pieks Herz auf einmal ganz langsam und warm schlug. 'Oh', sagte Piek nur. Mehr brauchte es nicht.

Balduin setzte sich bedächtig auf einen flachen Stein neben dem Becken und legte die Pfoten in den Schoß. Fippa kletterte lautlos auf den niedrigsten Felsen und betrachtete das leuchtende Moos aus nächster Nähe, ohne es zu berühren — denn im Silbenwald wusste jeder: man schaut zuerst, bevor man anfasst. Piek stellte die Laterne auf einen Stein und kniete sich nieder. Das Moos leuchtete gleichmäßig, wie ein Atemzug. Es war so still und so schön, dass alle drei für eine lange Weile gar nichts sagten. Nur das Wasser sprach, und der Wind in den Blättern, und irgendwo in der Ferne eine Amsel. Das reichte vollkommen. Der Silbenwald war manchmal am schönsten, wenn man einfach nur zuhörte.

Dann kam ein Rascheln von einer anderen Seite. Leise, vorsichtig, kaum zu hören — aber Piek hatte feine Ohren. Zwischen zwei alten Wurzeln saß die Eule, obwohl es eigentlich viel zu hell für eine Eule war. Die Eule trug eine runde Brille und eine moosgraue Weste und schien überhaupt nicht überrascht zu sein. 'Ah', sagte die Eule mit ruhiger Stimme. 'Ihr habt es also gefunden.' Piek fragte: 'Eule, weißt du, warum das Moos leuchtet?' Die Eule schwieg einen Moment. Dann sagte die Eule: 'Dieses Moos leuchtet, weil es sehr, sehr alt ist. Es hat so viel Mondlicht getrunken, so viele Nächte lang, dass es das Licht jetzt selbst in sich trägt. Auch am Tag.' Alle schwiegen wieder. Das war eine sehr schöne Antwort.

Da hörten alle vier ein letztes Geräusch. Schmiegsame, lautlose Schritte. Ich, Der Fuchs, trat aus dem Nebel und setzte mich neben Piek auf den moosigen Boden. Ich sagte nichts sofort. Ich ließ das Leuchten des Mooses auf mein Gesicht fallen und schloss kurz die Augen. Dann sprach ich: 'Es gibt Dinge im Silbenwald, die man nicht erklären muss, um sie zu lieben. Dieses Moos leuchtet — und das ist genug. Heute habt ihr etwas gesehen, das nicht viele Waldkinder je finden. Nicht weil es versteckt ist, sondern weil man ruhig genug sein muss, um hinzuschauen.' Piek nickte langsam. Balduin lächelte. Fippa hörte — für einmal — einfach zu. Und die Eule zwinkerte hinter ihrer runden Brille.

Als die Mittagssonne das Dach des Silbenwaldes vergoldete, machten sich alle auf den Heimweg. Piek trug die Laterne, auch wenn es längst hell genug war — weil die Laterne sich vertraut anfühlte, wie ein Freund. Balduin summte leise vor sich hin. Fippa turnte von Ast zu Ast und rief von oben immer wieder: 'Ich sehe es noch! Es leuchtet noch!' Und die Eule schlief schon wieder, irgendwo hoch oben. Ich, Der Fuchs, blieb noch einen Moment am Becken stehen und betrachtete das Moos. Es leuchtete, ruhig und stetig, als habe es alle Zeit der Welt. Manches im Silbenwald tut das: Es leuchtet einfach. Weil es so viel Gutes in sich trägt. Vielleicht, dachte ich, gilt das auch für euch.

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