Der Fuchs erzählt dem Mond eine Geschichte – Silbenwald Einschlafgeschichte
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Der Fuchs sitzt auf seinem Lieblingsstein im Silbenwald, die Glühwürmchen tanzen, die Laternen leuchten warm — und er erzählt dem Mond eine ganz besondere Geschichte. Eine Geschichte über Piek den Igel, der sein Lachen verloren hat, über Balduin den Dachs mit seinem Tee, über Fippa das Eichhörnchen und die weise Eule.

Im Silbenwald, wo die alten Bäume ihre Äste wie Arme ausstrecken und kleine Laternen daran hängen, war es ein ganz besonderer Abend. Die Glühwürmchen begannen gerade ihr leises Tanzen, und ein sanfter weißer Nebel zog durch das Moos. Der Fuchs — alle im Wald nannten ihn einfach den Fuchs — saß auf seinem Lieblingsstein, der mitten auf einer kleinen Lichtung lag. Der Stein war noch warm von der Sonne. Der Fuchs rollte seinen buschigen Schwanz um sich herum und schaute nach oben. Dort zwischen den Ästen hing der Mond, rund und gelblich, wie ein großer Butterkeks.

Der Fuchs blinzelte den Mond an. Dann sagte er, erst ganz leise, dann ein bisschen lauter: "Hallo, Mond. Schläfst du schon?" Der Mond antwortete natürlich nicht — Monde tun das nicht. Aber der Fuchs meinte, er könne ein ganz kleines Lächeln in den Mondkratern erkennen. Der Fuchs schmunzelte. Er mochte es, mit dem Mond zu reden. Der Mond hörte immer zu. Er unterbrach nie. Er fragte nie: "Bist du sicher?" oder "Das glaube ich dir nicht." Der Mond war einfach da, groß und still und freundlich. Und das gefiel dem Fuchs sehr.

"Mond", sagte der Fuchs, "heute Abend möchte ich dir eine Geschichte erzählen. Denn du erzählst mir jeden Nacht das Licht — da ist es nur fair, dass ich dir etwas zurückgebe." Der Fuchs räusperte sich. Er rückte seinen grünen Schal zurecht. Dann begann er: "Es war einmal — vor langer, langer Zeit, oder vielleicht auch erst gestern, das weiß man nie so genau im Silbenwald — ein kleiner Igel. Der Igel hieß Piek. Piek hatte siebenundzwanzig Stacheln, die er jeden Morgen zählte, weil er so genau war. Er wohnte unter der großen Buche, direkt neben dem Laubbett."

In der Geschichte des Fuchses — und der Fuchs erzählte sie dem Mond mit großer Sorgfalt — hatte Piek der Igel an diesem Tag etwas Wichtiges verloren. Nicht seinen Lieblingsstein. Nicht seine Schlafmütze. Piek hatte sein Lachen verloren. Er wusste nicht wie, er wusste nicht wann. Aber als er morgens aufwachte und Balduin der Dachs guten Morgen sagte, da wollte Piek lächeln — und es kam nichts. Kein Zucken in den Mundwinkeln. Kein warmes Kribbeln in der Brust. Piek saß vor seiner Bauchhöhle und dachte: "Das ist seltsam. Wo ist mein Lachen hingegangen?"

Der Fuchs lehnte sich auf seinem warmen Stein zurück und schaute kurz zum Mond. "Gefällt dir die Geschichte bisher?" Der Mond schien noch ein kleines bisschen heller zu leuchten. Der Fuchs nickte zufrieden und erzählte weiter. Piek fragte als Erstes Balduin den Dachs. Balduin war der Ruhigste im Silbenwald. Er sprach langsam, dachte nach, bevor er antwortete, und hatte immer etwas Tee in seiner Kanne. Balduin der Dachs sagte: "Piek, ein Lachen versteckt sich manchmal. Es wartet auf den richtigen Moment. Hast du heute schon in den Wald geschaut, wirklich geschaut?" Piek hatte das nicht. Also schaute Piek.

Piek schaute in den Silbenwald. Er sah, wie ein Glühwürmchen auf einer Farnwedel saß und seine Flügel putzte. Er sah, wie der Nebel zwischen den Bäumen so aussah wie Wattebausch-Schafe. Er sah, wie eine Laternen-Flamme im Wind wackelte — einmal links, einmal rechts, wie ein kleines Köpfchen, das nickt. Und dann — ganz leise, ganz versteckt — spürte Piek ein Kribbeln in seiner Brust. Erst klein wie eine Erbse. Dann größer. Dann brach ein Lachen aus Piek heraus, laut und klar und rund wie eine Waldbeere. Piek lachte, bis seine Stacheln wackelten.

Der Fuchs lächelte, als er diese Stelle erzählte. Oben in einem Ast raschelten Blätter, und Fippa das Eichhörnchen lugte heraus. Fippa hatte eigentlich schon halb geschlafen — aber Geschichten zogen Fippa immer wieder wach. "Fuchs", flüsterte Fippa, "hört der Mond wirklich zu?" Der Fuchs schaute nach oben. Der Mond stand jetzt noch etwas höher am Himmel, golden und still. "Ich glaube schon", sagte der Fuchs leise. "Sieh mal, er kommt näher." Fippa kicherte leise, kuschelte sich in ihre Baumhöhle und murmelte: "Dann erzähl weiter, Fuchs. Ich höre auch zu." Und der Fuchs erzählte weiter.

In der Geschichte hatte Piek sein Lachen wiedergefunden. Und weil Piek so glücklich war, wollte er es mit jemandem teilen. Er lief zu Fippa dem Eichhörnchen. Fippa freute sich so sehr, dass Fippa dreimal um den Baum herumsprang. Dann liefen beide zu Balduin dem Dachs und tranken zusammen Tee. Die Eule saß oben im Wacholderbaum und beobachtete das alles mit ihren großen runden Augen. Die Eule dachte: "Diese kleinen Waldtiere verstehen etwas, das viele vergessen — dass ein Lachen größer wird, wenn man es teilt." Dann schloss die Eule ein Auge und blinzelte weise. So klug wie die Eule war niemand im Silbenwald.

Der Fuchs schwieg einen Moment. Der Wald war jetzt sehr still. Die Glühwürmchen tanzten langsamer als vorhin. Die Laternen an den Bäumen leuchteten wärmer und weicher, als würden auch sie müde werden. Der Nebel lag wie eine weiche Decke über dem Moos. Der Fuchs schaute zum Mond und flüsterte: "Und das, lieber Mond, ist das Ende der Geschichte." Der Mond leuchtete sanft. Der Fuchs rollte sich noch etwas enger zusammen. Sein Schwanz war warm um seine Pfoten. Er spürte, wie seine Augen schwer wurden. Ein gutes, schweres Schwer — das Schwer vom Zufriedensein.

Im Silbenwald schliefen jetzt alle. Piek unter der Buche. Balduin in seiner warmen Erdkammer. Fippa tief in der Baumhöhle, den buschigen Schwanz wie eine Decke. Die Eule döste auf ihrem Ast. Und der Fuchs schlief auf seinem warmen Stein, den Mond noch immer über sich. Der Mond leuchtete die ganze Nacht. Er passte auf alle auf. Er passte auch auf dich auf. Und irgendwo zwischen den leise tanzenden Glühwürmchen, dem sanften Nebel und den wärmenden Laternen flüsterte der Silbenwald gute Nacht. Ganz leise. Ganz sanft. So leise wie ein Atemzug.
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