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Die Bremer Stadtmusikanten – Märchen von Grimm

11 Minuten Vorlesezeit

Grau der Esel denkt, seine Zeit ist vorbei — aber dann macht er den mutigsten Schritt seines Lebens und geht einfach los. Auf dem Weg durch den Silbenwald trifft er Bello, Mina und Rudi, und gemeinsam entdecken die vier Freunde, dass Zusammenhalten stärker macht als alles andere.

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Einmal lebte am Rand des Silbenwaldes ein Esel namens Grau. Grau hatte sein ganzes langes Leben lang schwere Säcke getragen und seinem Bauern treu geholfen. Aber nun waren seine Beine müder geworden, und der Bauer dachte, Grau könnte ihm nicht mehr helfen. Da wurde Grau ein bisschen traurig. Er stand allein am Zaun und schaute in den Silbenwald hinein, wo die Glühwürmchen leise leuchteten und warme Laternen an den alten Bäumen hingen. Und Grau dachte: Vielleicht fängt für mich gerade erst etwas Neues an.

Grau hatte von der Stadt Bremen gehört, wo Musik gespielt wurde und fröhliche Stimmen erklangen. Er konnte so wunderschön singen — laut und kräftig, ganz von Herzen. Warum sollte er nicht Stadtmusikant werden? Grau knüpfte sein rotes Halstüchlein ein bisschen fester und machte den ersten Schritt in den Silbenwald hinein. Die Glühwürmchen tanzten um ihn herum, als ob sie ihm Mut machen wollten. Der weiche Nebel kringelte sich um seine Hufe wie eine sanfte Umarmung. Grau lächelte. Der Weg war lang, aber Grau war neugierig auf alles, was noch kommen würde.

Schon bald hörte Grau ein leises Wimmern. Da saß ein alter Hund namens Bello unter einem großen Eichenbaum. Bello hatte ein flauschiges braunes Fell und hängende Ohren, die ganz traurig aussahen. Bello erzählte Grau, dass er früher immer auf das Haus seines Bauern aufgepasst hatte. Aber nun fühlte er sich so müde, dass er dachte, niemand brauche ihn mehr. Grau hörte ganz aufmerksam zu. Dann sagte Grau fröhlich: Komm doch mit mir nach Bremen! Du kannst so herrlich bellen — das ist doch Musik! Bellos Augen wurden groß, und zum ersten Mal seit langer Zeit wedelte sein Schwanz.

Grau und Bello wanderten zusammen weiter durch den Silbenwald. Die Laternen an den Bäumen leuchteten ihnen warm den Weg. Nach einer Weile hörten sie ein leises Schnurren und ein kleines Schniefen. Da saß eine Katze namens Mina auf einem Stein. Mina war eine getigerte Katze mit einem weichen grünen Halstuch und wunderschönen grünen Augen. Mina seufzte und sagte, sie könne nicht mehr so schnell laufen wie früher, und nun wisse sie nicht, wohin sie gehen solle. Grau und Bello lächelten. Grau sagte: Mina, du singst doch so zauberhaft in der Nacht — genau das brauchen wir in Bremen! Mina hob den Kopf und schnurrte.

Nun waren es drei Freunde, die gemeinsam durch den Silbenwald zogen. Dann hörten sie hoch oben in einem alten Apfelbaum ein lautes Krähen. Dort saß ein Hahn namens Rudi mit leuchtend rotem Kamm und glänzenden Federn in allen Farben des Sonnenuntergangs. Rudi rief in den Wald hinein, weil er so gerne singen wollte, aber er glaubte, niemand wolle ihm zuhören. Grau rief zu Rudi hinauf: Aber wir hören dir zu, Rudi! Und in Bremen werden noch viel mehr Menschen dein wunderbares Krähen hören. Rudi plusterte sich auf vor Freude, breitete seine Flügel aus und flatterte hinunter zu seinen neuen Freunden.

Jetzt waren Grau, Bello, Mina und Rudi zusammen unterwegs. Sie lachten und sangen und erzählten sich Geschichten, während sie durch den Silbenwald wanderten. Die Glühwürmchen leuchteten ihnen den Weg, und der sanfte Nebel machte alles ganz weich und geborgen. Als die Nacht herankam, wurden die vier Freunde ein bisschen müde. Sie suchten einen Platz zum Ausruhen. Da sahen sie zwischen den Bäumen einen warmen Lichtschein. Grau sagte leise: Vielleicht finden wir dort einen gemütlichen Platz für diese Nacht. Die vier Freunde gingen vorsichtig und neugierig auf das Licht zu.

Das Licht kam aus einem kleinen Häuschen mitten im Silbenwald. Das Häuschen hatte ein strohgedecktes Dach und ein Fenster, aus dem gelbes Licht schien. Grau stellte sich auf seine Hinterbeine und schaute durch das Fenster. Drinnen saßen ein paar grummelige alte Männer, die ihr Abendessen aßen und dabei finster dreinschauten. Grau überlegte. Dann sagte Grau ganz sanft zu seinen Freunden: Ich glaube, wenn wir ein bisschen Musik machen, werden die sich sehr wundern — und vielleicht gehen sie dann spazieren, und wir dürfen drin schlafen. Die Freunde nickten aufgeregt und stellten sich vor dem Fenster auf.

Grau, Bello, Mina und Rudi machten zusammen die allergrößte, lauteste, wunderbarste Musik, die der Silbenwald je gehört hatte. Grau sang, Bello bellte seinen schönsten Takt, Mina miauete melodisch, und Rudi krähte obendrüber, so laut er konnte. Die Männer im Häuschen erschraken so sehr, dass sie aufsprangen und mit großen Schritten durch die Hintertür in den dunklen Wald hinausliefen. Grau schüttelte freundlich den Kopf. Grau sagte: Oh, die wollten wohl lieber einen Abendspaziergang machen. Dann traten die vier Freunde freundlich durch die Tür und schauten sich das gemütliche Häuschen an.

Das Häuschen war warm und gemütlich. Es gab eine Feuerstelle, weiches Stroh, einen Tisch mit gutem Essen, und überall hingen kleine Laternen. Die vier Freunde aßen zusammen zu Abend — jeder das, was ihm schmeckte — und dann suchten sich alle einen bequemen Platz zum Schlafen. Grau legte sich auf das weiche Stroh, Bello rollte sich neben der Tür zusammen, Mina schnurrte sich auf dem Fensterbrett ein, und Rudi setzte sich auf einen Balken ganz oben. Die Glühwürmchen draußen leuchteten sanft durchs Fenster herein. Es war so still und so warm. Alle vier seufzten tief und glücklich.

Und so blieben Grau, Bello, Mina und Rudi in ihrem gemütlichen Häuschen im Silbenwald. Jeden Abend sangen sie zusammen ihre Lieder — für die Sterne, für die Glühwürmchen und für den sanften Wind. Ob sie je nach Bremen kamen? Vielleicht. Aber vielleicht hatten sie schon gefunden, was sie wirklich suchten: Freunde, die zuhören, ein warmes Plätzchen, und die Freude, gemeinsam Musik zu machen. Denn manchmal fängt das Glück gar nicht weit weg an — manchmal wartet es schon ganz nah, mitten im Silbenwald. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann singen sie noch heute.

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