Die Eule singt das Wiegenlied des Waldes – Silbenwald Einschlafgeschichte für Kinder
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Der Silbenwald schläft ein — und die Eule singt das Wiegenlied. In dieser ruhigen Einschlafgeschichte für Kinder von drei bis acht Jahren begleitet dein Kind die weise Eule durch eine stille Waldnacht voller Glühwürmchen, warmer Laternen und sanftem Nebel.

Im Silbenwald, wo Glühwürmchen wie kleine Sternchen durch die Luft tanzen und warme Laternen sanft an den alten Eichen baumeln, wurde der Abend langsam und leise. Der Nebel kroch zärtlich über den Waldboden, ganz weich, ganz still. Die Blätter hörten auf zu rascheln. Die Bäche flüsterten nur noch ganz leise. Und irgendwo hoch oben, auf dem ältesten Ast der größten Eiche, öffnete die Eule ihre großen bernsteinfarbenen Augen. Die Eule reckte sich, schüttelte ihr graubraunes Gefieder und wickelte sich das dunkle grüne Halstuch etwas fester um den Hals. Heute Nacht, dachte die Eule, war etwas Besonderes zu tun.

Unten am Fuß der großen Eiche scharrte Balduin der Dachs mit seinen breiten Pfoten in der Erde. Balduin hatte seinen Bau schon zweimal aufgeräumt und dreimal wieder unordentlich gemacht. Er konnte einfach nicht einschlafen. Sein schwarz-weißer Kopf guckte misstrauisch in den Abend. Die Glühwürmchen zogen ihre stillen Kreise um ihn herum, aber Balduin brummte nur leise vor sich hin. Dann hörte er es — einen einzigen, langen, sanften Ton von ganz oben. Balduin hob die Schnauze. Er lauschte. Die Eule hatte begonnen zu singen. Ganz leise erst, wie ein Atemzug, wie ein Versprechen. Balduin ließ sich langsam auf seine vier Pfoten sinken und horchte.

Hoch oben in ihrem Lindenbaum am Waldrand hatte Fippa das Eichhörnchen noch nicht aufgehört, ihre Nussverstecke zu zählen. Eins, zwei, drei, vier — Fippa zählte immer wieder von vorne, weil sie jedes Mal vergaß, wo sie aufgehört hatte. Ihr buschiger Schwanz zuckte aufgeregt hin und her. Doch dann — da war dieser Klang. Weich wie Moos, warm wie Laternenlicht. Die Eule sang, und der Gesang wehte durch die Äste wie ein sanfter Windhauch. Fippa hörte auf zu zählen. Fippa blinzelte. Fippa rollte sich ganz langsam in ihrem Nest aus Blättern und Fichtennadeln zusammen und legte den buschigen Schwanz über die Nase.

Die Eule sang weiter. Ihr Lied hatte keine Worte — es brauchte keine. Es klang wie das leise Rauschen von Regen auf alten Blättern, wie das Summen des Windes durch hohle Baumstämme, wie das ganz ruhige Atmen von jemandem, der tief und fest schläft. Die warmen Laternen am Silbenwald schaukelten sanft im Takt. Die Glühwürmchen hörten auf zu tanzen und schwebten einfach nur noch, ganz ruhig, wie kleine schlafende Sterne. Der Nebel wurde weicher und dichter und legte sich wie eine Decke über den Waldboden. Und die Eule sang und sang, mit ihrer weichen Stimme, die alles um sich herum langsamer werden ließ.

Piek der Igel hatte sich bereits zu einem stacheligen Ball zusammengerollt, halb unter einem moosbewachsenen Stein. Aber ein kleines Ohr lugte noch heraus. Piek lauschte. Das Lied der Eule kroch warm in sein Innerstes, ganz langsam, wie Honig, der von einem Löffel tropft. Pieк spürte, wie seine kurzen Beinchen schwerer und schwerer wurden. Er spürte, wie seine Schnauzspitze aufhörte zu zucken. Er spürte, wie seine Stacheln sich entspannten und er noch ein klitzekleines bisschen runder wurde. Piek der Igel seufzte. Es war der allertiefste, allerberuhigteste Seufzer des ganzen Silbenwaldes an diesem Abend. Und dann war Piek ganz, ganz still.

Am Silberbach, wo das Wasser so leise war, dass es kaum noch plätscherte, saß der Fuchs. Der Fuchs saß oft abends am Wasser und dachte an dies und das. Heute dachte der Fuchs eigentlich gerade an Beeren und an den krummen Pfad hinter der großen Fichte. Doch dann kam das Lied der Eule den Bach entlanggeschwommen, ganz unsichtbar, ganz weich. Der Fuchs legte seinen rotbraunen Kopf schief. Er hörte zu. Das Lied war so schön, dass der Fuchs vergaß, woran er gedacht hatte. Der Fuchs legte sich ins Gras, rollte den Schwanz um sich herum und schloss die Augen. Die Glühwürmchen schwebten über dem Bach wie ein Traumvorhang.

Die Eule sang nun langsamer. Ihr Lied wurde breiter und tiefer, wie ein warmes Bad, in das man langsam hineinsinkt. Die Blätter der großen Eiche zitterten nicht mehr. Die Äste waren ganz still. Rings um den Silbenwald war alles so ruhig geworden, dass man fast den Nebel atmen hören konnte. Balduin der Dachs schlief schon. Fippa das Eichhörnchen schlief schon. Piek der Igel schlief schon. Der Fuchs schlief schon. Nur die Eule sang noch, für den Wald, für die Nacht, für alle kleinen und großen Wesen, die noch ein letztes Lied brauchten, bevor auch sie die Augen zufielen.

Das Lied der Eule wurde leiser. Und leiser. Und noch ein kleines bisschen leiser. Es war jetzt kaum noch ein Singen — es war mehr ein Summen, ein ganz zartes Brummen, so wie wenn eine Biene weit, weit weg von einer Blume zur nächsten fliegt und man sie nur noch ganz halb hört. Der Silbenwald atmete. Die Laternen glühten warm und golden. Der Nebel lag wie Watte über allem. Und irgendwo in der Mitte dieses stillen, weichen, schlafenden Waldes sang die Eule das letzte Stückchen ihres Liedes — so leise, dass nur noch die Sterne es hören konnten.

Die Eule machte die Augen zu. Ganz langsam. Erst das rechte. Dann das linke. Das Lied war zu Ende. Oder war es noch da? Vielleicht war das Lied jetzt einfach überall — in den Blättern, im Nebel, in der warmen Luft zwischen den Laternen. Vielleicht sang der ganze Silbenwald jetzt leise weiter, ohne dass irgendjemand den Mund aufmachen musste. So ist das manchmal mit den schönsten Liedern. Sie hören auf — und bleiben trotzdem. Die Eule döste. Der Wald schlief. Und der Silbenwald hüllte alle, alle, alle ein — in sein weiches, goldenes, stilles Nacht.

Und du? Du liegst warm und weich. Deine Decke ist genau richtig schwer. Deine Augen sind schon ganz müde. Du hast das Lied der Eule gehört — und jetzt trägt es dich. Ganz sanft. Ganz sicher. Der Silbenwald ist nah, auch wenn du ihn nicht siehst. Die Glühwürmchen tanzen in deinen Träumen. Die Laternen leuchten für dich. Balduin, Fippa, Piek und der Fuchs schlafen — und die Eule wacht. Schlaf nun auch du, mein Kind. Der alte Bär passt auf. Die Nacht ist gut. Alles ist gut. Gute Nacht.
Und jetzt eine Geschichte, in der euer Kind die Hauptrolle spielt?
Name, Alter, Lieblingswelt — wir erfinden und vertonen die Geschichte, in der euer Kind der Held ist. Als MP3 für jede Hörbox, für immer.
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