Die Laternen des Silbenwaldes flackern im Sturm – Hörgeschichte für Kinder
10 Minuten Vorlesezeit
Die Laternen des Silbenwaldes flackern im Sturm – und Balduin der Dachs macht sich mit Fippa dem Eichhörnchen, Piek dem Igel, dem Fuchs und der weisen Eule auf, das Licht des Waldes zu retten. Eine warme, beruhigende Hörgeschichte für Kinder von drei bis acht Jahren, die zeigt: Zusammen ist man stärker als jeder Sturm.

Es war ein ganz besonderer Morgen im Silbenwald. Der Wind hatte sich in der Nacht aufgemacht und blies nun kräftig durch die alten Bäume. Die warmen Laternen, die an jedem Ast hingen und den Wald so gemütlich leuchteten, begannen zu schaukeln und zu flackern. Manche schwangen hin und her wie Schaukeln. Der sanfte Nebel, der sonst ruhig am Boden lag, wurde vom Wind hin und her gewirbelt. Die Glühwürmchen hatten sich versteckt, tief in den Ritzen der Baumrinde. Der Silbenwald hielt den Atem an.

Balduin der Dachs saß vor seiner Höhle und schaute mit großen Augen in den flackernden Wald. Balduin mochte es eigentlich gemütlich. Er mochte seinen Tee, sein weiches Kissen und die ruhig leuchtenden Laternen. Aber heute leuchteten die Laternen ganz unruhig, und Balduin runzelte seine breite Stirn. Dann schnupperte Balduin mit seiner Nase in die Luft. Es roch nach Regen und nach nassen Blättern. Der Dachs seufzte einmal tief und sagte zu sich selbst: Irgendjemand muss sich um die Laternen kümmern, sonst erlischt das Licht des Silbenwaldes.

Plötzlich flitzte etwas Rotes an Balduin vorbei. Es war Fippa das Eichhörnchen! Fippa sprang von Ast zu Ast, schnell wie ein Blitz, und ihr buschiger Schwanz wedelte aufgeregt hin und her. Fippa rief: Balduin, Balduin! Hast du gesehen? Die große Laterne am Herzbaum flackert ganz schlimm! Wenn die ausgeht, findet niemand mehr den Weg zur Mitte des Silbenwaldes! Balduin nickte ernst. Fippa, du hast recht, sagte Balduin. Wir müssen zur großen Laterne am Herzbaum. Fippa setzte sich auf Balduins breite Schulter, und zusammen machten sie sich auf den Weg.

Der Weg zum Herzbaum führte durch einen Hohlweg, wo die Baumwurzeln wie Bögen über den Pfad ragten. Dort, mitten auf dem Weg, saß Piek der Igel und rollte sich immer wieder auf und ab, weil der Wind ihn hin und her pustete. Piek, was machst du da?, fragte Fippa und hielt sich am Ohr von Balduin fest. Ich versuche geradeaus zu gehen, aber der Wind schubst mich dauernd!, piepste Piek. Balduin lachte warm und hielt seine Pfote schützend neben Piek. Komm mit uns, sagte Balduin. Zusammen sind wir stärker als jeder Wind.

Jetzt gingen alle drei gemeinsam durch den Silbenwald. Balduin schritt voran, groß und ruhig. Piek lief dicht neben Balduins Pfote, geschützt vom Wind. Und Fippa schaute von oben nach dem Weg. Die Laternen über ihnen flackerten und zitterten. Manchmal erlosch eine kurz und leuchtete dann wieder auf, als wäre sie erschrocken. Der Nebel war dicker geworden und schmiegte sich um Stämme und Steine wie eine weiche Decke. Ein paar mutige Glühwürmchen lugten aus ihren Verstecken und blinzelten den dreien neugierig nach. Sie schienen zu fragen: Schafft ihr das wirklich?

Auf einmal hörten sie ein tiefes, ruhiges Uhu aus den Ästen über ihnen. Die Eule saß auf einem dicken Ast und blinzelte mit ihren goldenen Augen auf die drei herunter. Die Eule sprach langsam und bedächtig: Ich habe auf euch gewartet. Die große Laterne am Herzbaum braucht frisches Laternenwachs. Ohne das Wachs geht das Licht aus. Balduin schaute auf. Wo finden wir Laternenwachs?, fragte Balduin. Die Eule neigte den Kopf und sagte: Im Honigfelsenhügel, wo die alten Bienen wohnen. Aber beeilt euch. Der Sturm wird stärker.

Fippa kannte den Honigfelsenhügel. Fippa hüpfte von Balduins Schulter und sprang voraus, von Wurzel zu Stein zu Ast. Balduin und Piek folgten so schnell sie konnten. Dann, um eine große Eiche herum, lief plötzlich der Fuchs auf sie zu. Der Fuchs hatte ein kleines rundes Glas in den Pfoten, und das Glas leuchtete goldgelb wie Honig. Ich habe das Laternenwachs schon geholt!, rief der Fuchs und wedelte mit seinem buschigen Schwanz. Ich habe die Eule auch gehört und wollte helfen. Balduin strahlte. Wie gut, dass wir nicht allein sind!, sagte Balduin.

Gemeinsam eilten alle fünf zum Herzbaum. Der Herzbaum war der älteste Baum im ganzen Silbenwald, mit einer Rinde voller tiefer Rillen und Ästen, die sich wie Arme nach allen Seiten streckten. An seinem höchsten Ast hing die große Laterne, und die flackerte jetzt ganz bedrohlich. Der Fuchs reichte Balduin das Laternenwachs. Aber wie sollten sie so hoch kommen? Fippa lachte ihr helles Lachen und kletterte flink wie immer den Stamm hinauf, das Wachs vorsichtig im Mund. Alle unten hielten den Atem an.

Fippa kletterte ganz behutsam bis ganz oben. Mit ihren kleinen Pfoten öffnete Fippa die Laterne, legte das neue Wachs hinein und hauchte ganz sanft darauf. Da flammte das Licht auf, golden und warm und stark. Die große Laterne leuchtete wieder, ruhig und fest, auch im Sturm. Und wie auf ein Zeichen hörte Balduin, wie eine Laterne nach der anderen im Wald aufflackerte und ruhig weiterbrannte. Die Glühwürmchen kamen aus ihren Verstecken geflogen und tanzten jubelnd ums Licht. Der Silbenwald leuchtete wieder.

Balduin, Fippa, Piek, der Fuchs und die Eule standen alle zusammen unter dem Herzbaum und schauten in den leuchtenden Wald. Der Wind wurde leiser, als hätte auch er aufgeatmet. Der Nebel legte sich wieder weich und ruhig um die Bäume. Piek schnupperte und sagte leise: Es riecht jetzt nach warmem Licht. Alle lachten. Dann gingen sie zusammen zu Balduins Höhle, tranken warmen Tee und lauschten, wie der Sturm draußen sanft wurde. Die Laternen des Silbenwaldes brannten die ganze Nacht, warm und sicher, für alle, die schlafen wollten.
Und jetzt eine Geschichte, in der euer Kind die Hauptrolle spielt?
Name, Alter, Lieblingswelt — wir erfinden und vertonen die Geschichte, in der euer Kind der Held ist. Als MP3 für jede Hörbox, für immer.
Geschichte wünschen

