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Dornröschen – Märchen zum Einschlafen

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Heute Abend erzählt Der Fuchs aus dem Silbenwald das zauberhafteste aller Märchen: Dornröschen. Ein ganzes Schloss, das schläft und träumt — hundert Jahre lang, eingehüllt in sanften Nebel und das warme Leuchten des Silbenwaldes. Eine Geschichte über Geduld, Fürsorge und das Schönste, was es gibt: einen neuen Morgen.

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Es war einmal ein König und eine Königin, die wohnten in einem warmen, hellen Schloss am Rand des Silbenwaldes. Die Bäume des Waldes trugen kleine Laternen, die abends sanft leuchteten, und zwischen den Ästen tanzten Glühwürmchen wie lebendige Sternchen. Der König und die Königin wünschten sich von Herzen ein Kind — ein Kind, das lachen und spielen und die Welt mit frischen Augen sehen würde. Jeden Abend schauten sie auf die leuchtenden Bäume und flüsterten ihren Wunsch hinaus in die warme Nacht. Und der Silbenwald, so heißt es, hört immer zu.

Eines sonnigen Morgens, als der Nebel des Silbenwaldes noch zart über den Wiesen lag, kam ein kleiner Frosch aus dem Brunnen gehüpft und rief der Königin zu: 'Euer Wunsch wird erfüllt! Bald werdet ihr eine Tochter in den Armen halten!' Und wirklich — nicht lange danach wurde ein wunderschönes Mädchen geboren. Die Eltern strahlten vor Freude, und das ganze Schloss war hell und festlich. Der König ließ überall Laternen anzünden und die Glühwürmchen des Silbenwaldes kamen von ganz allein herbeigeleuchtet, als wollten auch sie das Kind willkommen heißen.

Zur Feier lud der König weise und freundliche Feen ein, damit sie dem kleinen Mädchen Gutes wünschen möchten. Eine Fee nach der anderen trat vor die kleine Wiege und schenkte dem Kind etwas Wertvolles: Güte, Fröhlichkeit, Sanftheit, einen hellen Verstand, eine liebliche Stimme und noch viele andere schöne Gaben. Das Mädchen lag in seiner Wiege und schlief ganz friedlich, während die Feen um es herumstanden und lächelten. Der Silbenwald draußen schien die Wünsche aufzufangen und trug sie sanft davon, damit sie für immer bleiben würden.

Doch dann — ganz am Ende der Feier — erschien noch eine alte Fee, die vergessen worden war. Aber diese Fee war nicht böse, sie war nur sehr, sehr alt und manchmal etwas schrullig. Sie sprach einen Wunsch aus, der alle erschreckte: Das Mädchen würde sich eines Tages an einer Spindel stechen. Doch die letzte der freundlichen Feen trat rasch vor und sagte sanft: 'Keine Sorge — das Kind wird nicht traurig sein. Es wird einfach in einen tiefen, traumschönen Schlaf fallen und nach langer Zeit von einem guten Menschen wieder geweckt werden.' Alle atmeten erleichtert auf.

Das kleine Mädchen wuchs heran und alle liebten Dornröschen — denn so nannten die Leute das Kind, weil es so zart und wunderschön war wie eine Rose. Dornröschen hatte lange, rotbraune Haare, rosige Wangen und trug ein weiches, rosafarbenes Kleid mit feinen Stickereien. Auf ihrem Haar saß eine kleine goldene Krone. Dornröschen war neugierig, fröhlich und hatte ein Herz so warm wie die Laternen des Silbenwaldes. Sie spielte im Schlossgarten, lauschte dem Rauschen der Bäume und beobachtete stundenlang die Glühwürmchen in der Abenddämmerung.

Dornröschen war sehr neugierig und erkundete jeden Winkel des Schlosses. An einem besonderen Tag fand Dornröschen eine kleine Treppe, die sie noch nie bemerkt hatte. Oben in einem runden Türmchen saß eine alte Frau und arbeitete freundlich summend an einem seltsamen Gerät — das war eine Spindel. 'Was machst du da?', fragte Dornröschen mit großen Augen. 'Ich spinne Fäden', sagte die alte Frau herzlich. Dornröschen streckte neugierig die Hand aus, um die Spindel zu berühren — und da passierte es. Dornröschen stach sich ganz leicht, und im selben Moment wurden die Augen des Mädchens schwer wie Federkissen.

Dornröschen sank sanft auf ein weiches Bettchen nieder und schlief ein — so tief und friedlich wie noch nie. Und mit Dornröschen schlief das ganze Schloss ein: der König und die Königin, die Köchinnen und die Ritter, die Pferde im Stall und die Tauben auf dem Dach. Sogar das Feuer im Kamin hörte auf zu knistern und wartete still. Ringsherum begann der Silbenwald zu wachsen — langsam, behutsam, voller Fürsorge. Dornen und Ranken wuchsen, aber zwischen ihnen leuchteten Glühwürmchen, und sanfter Nebel hüllte das Schloss ein wie eine zarte Decke. Der Wald passte auf Dornröschen auf.

Viele, viele Jahre vergingen. Manchmal kamen mutige Wanderer und schauten den Silbenwald an. Sie sahen die Glühwürmchen hinter den Ranken leuchten und spürten, dass etwas Besonderes dahinter schlummerte. Aber der Wald ließ sie freundlich wissen: 'Noch nicht, noch ist es nicht die richtige Zeit.' Die Wanderer nickten und zogen weiter, denn der Silbenwald war weise und man vertraute ihm. Hundert Jahre vergingen so ruhig wie ein langer, tiefer Atemzug — und Dornröschen träumte wunderschöne Träume von Glühwürmchen und Laternen und dem Rauschen der Bäume.

Dann, an einem besonderen Morgen, kam ein freundlicher junger Prinz durch den Silbenwald geritten. Die Ranken öffneten sich ganz von selbst vor ihm, als wären sie eingeladen — denn nun war die Zeit gekommen. Der Prinz folgte dem warmen Laternenlicht tiefer ins Schloss. Er fand Dornröschen in dem kleinen Türmchen, schlafend, mit einem leisen Lächeln auf den Lippen. Der Prinz betrachtete Dornröschen lange und voller Staunen. Dann beugte er sich vor und gab Dornröschen einen zarten Kuss auf die Wange — so sanft wie ein Glühwürmchen, das sich kurz niederlässt.

Dornröschen öffnete langsam die Augen. Das erste, was Dornröschen sah, war das warme Licht der Laternen und die tanzenden Glühwürmchen. Das zweite war das freundliche Gesicht des Prinzen. Dornröschen lächelte — ein Lächeln, das hundert Jahre lang auf eine gute Gelegenheit gewartet hatte. Überall im Schloss gähnten und reckten sich die Menschen. Das Feuer knisterte wieder fröhlich. Der König und die Königin schlossen Dornröschen in die Arme. Und der Silbenwald? Der Silbenwald zog seinen sanften Nebelmantel zurück, ließ die Laternen heller leuchten und die Glühwürmchen jubelten — jeder auf seine stille, funkelnde Weise.

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