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Frau Holle – Märchen von Grimm

9 Minuten Vorlesezeit

Die Sternenfee erzählt heute ein wunderschönes altes Märchen: Frau Holle — sanft und tröstlich nacherzählt für Kinder von drei bis acht Jahren. Marie fällt in einen Zauberbrunnen und landet in einer anderen Welt, wo sie der freundlichen Frau Holle begegnet.

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Es war einmal ein kleines Mädchen namens Marie. Marie lebte am Rand eines Dorfes, gleich neben einem alten Brunnen, an dem schon viele Generationen Wasser geschöpft hatten. Marie war fleißig und fröhlich, und sie liebte es, im Morgengrauen aufzustehen, wenn die Vögel noch schliefen und die Luft noch kühl und frisch roch. Jeden Tag saß sie am Brunnen und spann. Der Brunnen war uralt, und um ihn herum wuchsen sanfte Gänseblümchen und wiegte sich langes grünes Gras im Wind.

Eines Morgens, als Marie wieder fleißig spann, rutschte ihre Spule aus den Händen und fiel — platsch — in den Brunnen hinein. Marie erschrak, aber sie wollte die Spule nicht verlieren. Sie kletterte mutig über den Brunnenrand — und fiel sanft, ganz sanft, wie eine Feder im Wind, tief nach unten. Es war nicht dunkel und nicht angsteinflößend. Stattdessen leuchteten überall kleine Funken um Marie herum, und es roch nach frischem Heu und Äpfeln. Marie landete weich auf einer großen, grünen Wiese.

Marie stand auf und schaute sich staunend um. Sie war in einer ganz anderen Welt gelandet — einer Welt, die aussah wie ein wunderschöner Silbenwald. An den Bäumen hingen warme Laternen, und Glühwürmchen tanzten durch den sanften Nebel. Die Wiesen leuchteten saftig grün, und bunte Blumen öffneten ihre Köpfe. Marie war ein bisschen aufgeregt, aber auch neugierig. Sie schluckte einmal tief durch, strich sich die Zöpfe glatt und ging los, um herauszufinden, wo sie gelandet war.

Marie lief ein Stück den weichen Weg entlang, da rief plötzlich ein Backofen mit einer freundlichen Stimme: "Oh, liebe Marie, bitte hol mich heraus, die Brote sind fertig gebacken!" Marie zögerte nicht lange. Sie nahm die lange Brotschaufel, öffnete die Ofenklappe behutsam, und holte alle goldenen Brote nacheinander heraus. Der Geruch war so herrlich warm und duftend, dass Marie am liebsten gleich weitergeträumt hätte. Dann aber zog sie ihren Weg fröhlich weiter.

Bald kam Marie an einem Apfelbaum vorbei. Der Baum war so voll mit roten Äpfeln, dass seine Äste sich unter dem Gewicht bogen, und der Baum sagte mit einem leisen Rauschen seiner Blätter: "Oh, liebe Marie, schüttle mich bitte, schüttle mich! Meine Äpfel sind alle reif!" Marie fasste den Stamm und schüttelte ihn sanft. Da regnete es Äpfel — rot und rund und prächtig — und Marie sammelte sie alle ordentlich auf und legte sie in einer feinen Gruppe zusammen. Der Baum dankte ihr mit einem freundlichen Rauschen.

Dann erblickte Marie ein kleines, kuscheliges Haus. Vor der Tür saß eine alte Frau mit einem freundlichen, faltigen Gesicht und großen sanften Augen. Sie hatte weiße Haare und zottelige weiße Zähne — aber ihr Lächeln war so warm und herzlich, dass Marie sich sofort geborgen fühlte. "Ich bin Frau Holle", sagte die alte Frau mit einer Stimme wie warme Milch mit Honig. "Willst du bei mir bleiben und mir helfen? Ich werde gut für dich sorgen." Marie nickte und trat ein.

Marie lebte sehr gerne bei Frau Holle. Jeden Morgen stand Marie früh auf, machte das Haus sauber, kochte und half überall fleißig mit. Aber ihre liebste Aufgabe war das Schütteln der großen Federbetten. Denn wenn Marie die Betten schüttelte, dann stiegen Millionen weicher Federn in die Luft — und auf der Erde oben, in Maries Heimatdorf, fiel weicher, weißer Schnee. Marie stellte sich das jedes Mal ganz vergnügt vor: die Kinder, die draußen jubelten und im Schnee spielten, weil Marie hier so fleißig schüttelte.

Eines Tages merkte Marie, dass sie ihre Familie vermisste. Sie dachte an die Gerüche von zuhause, an das Knarren der alten Treppe, an das Zwitschern der Vögel am Morgen. Frau Holle bemerkte Maries nachdenkliches Gesicht und lächelte sanft. "Ich sehe, dass du heimwehkrank bist, meine liebe Marie", sagte Frau Holle leise. "Das ist gut so. Du hast fleißig und fröhlich mitgeholfen, und nun wird es Zeit, dass du heimkehrst." Marie umarmte Frau Holle lange und herzlich, und Frau Holle drückte sie fest zurück.

Frau Holle führte Marie zu einem besonderen Tor im Silbenwald. Genau als Marie hindurchtrat, fiel ein sanfter Regen aus purem Gold auf Marie herab — Tropfen für Tropfen, wie warmes Licht. Das Gold blieb an Maries Kleid haften und leuchtete golden. "Das hast du dir verdient, liebe Marie", sagte Frau Holle lächelnd, "durch deine Freundlichkeit und deine Freude am Helfen." Dann schloss sich das Tor ganz leise, und Marie stand am Brunnen zuhause — und die Spule lag direkt neben ihr auf dem Gras.

Marie stand im goldenen Schimmer neben dem alten Brunnen und lächelte. Das Licht des Goldes wärmte sie von innen wie eine Umarmung. Sie schaute in den Himmel, wo die ersten Sterne der Abenddämmerung funkelten, und flüsterte leise: "Danke, Frau Holle." Vielleicht wehte da ein ganz sanfter Wind als Antwort durch die Bäume — und vielleicht war da, ganz weit oben, ein winziges Leuchten zwischen den Wolken. Marie nahm ihre Spule, ging nach Hause, und in dieser Nacht träumte sie von Federn, die wie Schneeflocken durch den Silbenwald tanzten.

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