Hänsel und Gretel – Märchen von Grimm
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Hänsel und Gretel — das geliebte Märchen der Gebrüder Grimm — wird hier von Großmutter Holunder aus dem Silbenwald ganz sanft und tröstlich erzählt. Keine Schrecken, keine Angst: nur Mut, Zusammenhalt und die Gewissheit, dass alles gut wird.

Am Rand des großen Silbenwaldes, dort wo die ersten Glühwürmchen abends ihre Lichter anzünden, stand ein kleines Holzhaus. In diesem Haus lebten zwei Kinder: der Hänsel und die Gretel. Hänsel hatte lockige braune Haare und lachte gerne laut, und Gretel trug ihre Zöpfe immer ordentlich mit blauen Bändern gebunden. Die beiden liebten einander sehr und spielten jeden Tag zusammen auf der kleinen Lichtung vor dem Haus. Ihr Vater war ein Holzfäller, ein gütiger Mann mit großen, ruhigen Händen, und er liebte seine Kinder mehr als alles auf der Welt.

Eines Abends, als Hänsel und Gretel schon in ihren Betten lagen, sprach die Stiefmutter leise mit dem Vater. Sie sagte, die Familie habe nicht genug zu essen und die Kinder müssten am nächsten Morgen in den Wald geführt werden, damit sie sich selbst auf den Weg machen könnten. Der Vater war sehr traurig, denn er wollte seine Kinder niemals verlassen. Aber die Stiefmutter redete so lange auf ihn ein, bis er nachgab und den Kopf hängen ließ. Hänsel aber war noch wach gewesen und hatte alles gehört. Er flüsterte Gretel sanft ins Ohr: 'Ich habe einen Plan, hab keine Angst.'

In der Nacht schlich Hänsel leise aus dem Haus. Der Mond schien hell, und die Glühwürmchen summten ganz sanft um ihn herum, als wollten sie ihm Mut machen. Hänsel sammelte kleine weiße Steinchen vom Weg, so viele, wie in seine Hosentaschen passten. Diese Steinchen leuchteten im Mondlicht wie winzige Sterne. Dann schlich Hänsel wieder zurück ins Bett und flüsterte Gretel zu: 'Alles wird gut, Gretel. Ich verspreche es dir.' Und Gretel lächelte, schloss die Augen und schlief ruhig ein, denn sie vertraute ihrem Bruder Hänsel von ganzem Herzen.

Am nächsten Morgen führte der Vater die Kinder in den tiefen Silbenwald. Er hielt ihre Hände ganz fest und schaute sie immer wieder mit seinen großen, traurigen Augen an. Hänsel ließ dabei heimlich alle paar Schritte ein weißes Steinchen auf dem Weg fallen. Die Laternen an den Bäumen des Silbenwaldes leuchteten warm und golden, und der sanfte Nebel lag wie eine weiche Decke über dem Moos. Der Vater machte ein kleines Feuer, damit die Kinder sich wärmen konnten, und flüsterte: 'Bleibt hier, ich komme bald wieder.' Doch er kam nicht zurück.

Als es dunkel wurde und der Mond aufging, begannen die weißen Steinchen auf dem Weg zu leuchten — ganz hell, wie eine Lichterkette aus lauter kleinen Monden. Gretel klatschte leise in die Hände und Hänsel lächelte breit. Die beiden folgten den Steinchen, Schritt für Schritt, durch den sanften Nebel des Silbenwaldes. Die Glühwürmchen tanzten neben ihnen her, als wollten sie den Weg noch ein bisschen heller machen. Und so fanden Hänsel und Gretel ohne Mühe nach Hause zurück. Der Vater öffnete die Tür und drückte seine Kinder so fest an sich, dass seine Augen ganz nass wurden vor Freude.

Aber die Tage vergingen, und die Familie hatte immer noch wenig zu essen. Da sprach die Stiefmutter erneut mit dem Vater, und diesmal wurden alle Türen sorgfältig geschlossen. Hänsel konnte in dieser Nacht keine Steinchen mehr sammeln. Am nächsten Morgen führte der Vater die Kinder noch tiefer in den Silbenwald. Diesmal lieferte Hänsel kleine Brotkrumen auf dem Weg — die, die er heimlich vom Frühstücksbrot abgebrochen hatte. Er hoffte, dass die Brotkrumen ihnen später den Weg zurück zeigen würden, genau wie die Steinchen es getan hatten.

Als Hänsel und Gretel die Brotkrumen später suchen wollten, waren sie verschwunden. Die Vögelchen des Silbenwaldes hatten die kleinen Krümel aufgepickt und dabei fröhlich gezwitschert. Gretel nahm Hänsels Hand, und Hänsel hielt Gretels Hand ganz fest. 'Wir finden einen anderen Weg', sagte Hänsel tapfer, und Gretel nickte. Sie wanderten und wanderten durch den leuchtenden Silbenwald, und die warmen Laternen an den Bäumen schienen sie zu trösten. Die Glühwürmchen flogen immer ein Stückchen voraus, als wollten sie den Kindern sagen: 'Kommt nur, hier entlang, es wird alles gut.'

Plötzlich sahen Hänsel und Gretel durch die Bäume etwas ganz Wunderbares leuchten. Da stand ein kleines Häuschen, und es war aus lauter gutem Brot gebaut, mit einem Dach aus süßem Kuchen und Fenstern aus klarem Zucker. Ein wunderbarer Duft nach frisch gebackenem Brot zog durch den Wald. Die Kinder, die schon lange nichts gegessen hatten, brachen sich vorsichtig ein kleines Stückchen vom Rand des Hauses ab. Doch da öffnete sich die Tür ganz langsam, und eine alte Frau schaute heraus. Sie sprach mit einer sehr sanften Stimme: 'Kommt herein, ihr lieben Kinder, kommt ins Warme.'

Die alte Frau gab Hänsel und Gretel warme Milch, süße Pfannkuchen und viele gute Dinge zu essen. Dann durften die Kinder in weichen, warmen Bettchen schlafen. Aber die alte Frau war in Wirklichkeit nicht so freundlich, wie sie tat. Sie wollte Hänsel festhalten und Gretel zur Arbeit zwingen. Gretel aber war klug und mutig. Sie beobachtete alles ganz genau und wartete auf den richtigen Moment. Als die alte Frau Gretel bat, in den großen Backofen zu schauen, tat Gretel so, als verstünde sie nicht wie. Die alte Frau beugte sich selbst vor — und da gab Gretel ihr einen kleinen Schubs, sodass die Tür zuschnappte. Die alte Frau war nun eingeschlossen, aber Gretel öffnete die Tür sogleich wieder ein kleines Stückchen, damit sie Luft hatte. Gretel befreite Hänsel, und die beiden liefen schnell los.

Hänsel und Gretel liefen Hand in Hand durch den Silbenwald, und die Glühwürmchen leuchteten ihnen den Weg. Die warmen Laternen an den Bäumen schienen zu blinzeln, als wollten sie sagen: 'Ihr habt es geschafft!' Nach einer Weile sahen sie in der Ferne das kleine Holzhaus ihres Vaters. Der Vater stand schon an der Tür und hielt die Arme weit auf. Er weinte vor Freude, als er seine Kinder kommen sah, und drückte Hänsel und Gretel ganz lange an sein Herz. Die Stiefmutter war fort gegangen, und nun lebten der Vater, Hänsel und Gretel glücklich zusammen im Silbenwald — umgeben von Glühwürmchen, goldenen Laternen und dem sanften Rauschen der Bäume.
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