Piek der Igel und der verschwundene Laternenpfad
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Piek der Igel liebt den leuchtenden Laternenpfad im Silbenwald – doch eines Morgens ist er fast dunkel. Die goldenen Laternen sind verschwunden! Zusammen mit Balduin dem Dachs, Fippa dem Eichhörnchen und dem neugierigen Fuchs macht sich Piek auf die Suche.

Im Silbenwald, wo der Nebel jeden Abend ganz sanft zwischen den Wurzeln hindurchzieht und die Glühwürmchen wie kleine wandernde Sterne leuchten, gab es einen besonderen Pfad. Die Waldtiere nannten ihn den Laternenpfad. Dort hingen an jedem dritten Baum kleine Laternen aus Bernsteinglas, aufgehängt von alten, freundlichen Ästen. Jeden Abend gingen sie ganz von selbst an und tauchten den Weg in goldenes Licht. Piek der Igel liebte diesen Pfad. Piek lief ihn jeden Tag entlang, schnupperte an den Blättern und summte dabei leise ein kleines Lied vor sich hin.

Eines Morgens, als die Sonne gerade erst durch die Blätter blinzelte, lief Piek der Igel fröhlich den Laternenpfad entlang. Piek trug seinen dunkelgrünen Schal fest um den Hals gewickelt, denn die Morgenluft war noch kühl und roch nach feuchtem Moos. Doch dann blieb Piek plötzlich stehen. Piek blinzelte einmal, zweimal. Dort, wo gestern noch drei goldene Laternen gehangen hatten, war nun – nichts. Nur ein leerer Ast, der leise im Wind wippte. Piek kratzte sich mit einem kleinen Stachel am Ohr. Das war seltsam. Das war sehr seltsam.

Piek lief weiter – und staunte immer mehr. Nicht nur drei Laternen fehlten. Fast alle Laternen am Pfad waren verschwunden! Nur noch ganz wenige hingen an ihren Ästen, und auch die wirkten ein bisschen traurig und matt. Der Laternenpfad, der sonst so einladend leuchtete, war jetzt fast dunkel. Piek spürte, wie sich sein kleiner Bauch vor Sorge zusammenzog. Ohne die Laternen würden sich abends die anderen Waldtiere verirren. Der alte Maulwurf, der immer blind durch den Abend tappte. Die kleinen Mäusekinder. Piek beschloss: Piek musste herausfinden, was mit den Laternen geschehen war.

Als Erstes besuchte Piek seinen Freund Balduin den Dachs. Balduin wohnte in einem gemütlichen Erdbau unter einer dicken Buche, und vor seiner Tür hing immer ein kleines Bündel getrockneter Kräuter. Balduin war gerade dabei, seinen Frühstücksbrei umzurühren, als Piek anklopfte. Piek erklärte aufgeregt, was passiert war. Balduin der Dachs runzelte seine buschigen grauen Augenbrauen und dachte nach. Dann nickte Balduin langsam. Balduin sagte mit seiner tiefen, ruhigen Stimme: 'Ich habe heute Nacht etwas Seltsames gehört, Piek. Ein leises Knistern. Aus Richtung der alten Erle.' Piek horchte auf.

Piek und Balduin machten sich gemeinsam auf den Weg zur alten Erle. Der Nebel des Morgens hing noch in langen weichen Streifen zwischen den Farnen, und die Glühwürmchen, die schon müde wurden, schliefen fast schon auf den Blättern. Am Fuß der alten Erle fanden die beiden etwas Merkwürdiges: Auf dem Boden lagen kleine Häufchen aus Moos, Baumrinde und – ja, tatsächlich – die Reste von Laternenschnüren. Die Schnüre waren nicht zerrissen. Die Schnüre waren sauber durchgebissen. Jemand hatte die Laternen ganz absichtlich abgenommen. Aber wer? Und warum?

Plötzlich hörten Piek und Balduin ein Rascheln von oben. Kleine Pfotengeräusche. Dann erschien Fippa das Eichhörnchen, das von Ast zu Ast sprang und dabei ihre buschige rotbraune Rute hinter sich herwedelte. Fippa hatte strahlend wache Augen und rief schon von weitem herunter: 'Piek! Balduin! Ich weiß, wo die Laternen sind!' Fippa sauste an dem Stamm herunter, dass die Rinde knisterte. Fippa flüsterte dann – obwohl gar niemand schlief – ganz aufgeregt: 'Ich habe sie gesehen! Oben in der großen Eiche. Jemand hat alle Laternen dort oben in einem Nest versteckt. Ein riesiges, glitzerndes Nest!'

Die drei Freunde eilten zur großen Eiche, die mitten im Silbenwald stand und so alt war, dass ihre Äste wie dicke Arme in alle Richtungen zeigten. Ganz oben, in einer tiefen Astgabel, entdeckten sie es: ein riesiges Nest aus Zweigen, Blättern – und ja, aus all den vermissten Bernsteinglas-Laternen! Die Laternen waren hübsch darin eingebettet, als wären es leuchtende Eier. Und in der Mitte des Nestes saß jemand. Jemand mit großen goldenen Augen. Es war die Eule. Die Eule blinzelte verschlafen herunter und sagte mit ihrer weichen, heiseren Stimme: 'Oh. Ihr habt mich gefunden.'

Piek der Igel rief so freundlich wie möglich hinauf: 'Liebe Eule, warum hast du alle Laternen mitgenommen?' Die Eule seufzte tief und rückte die Federn zurecht. Dann erklärte die Eule leise: 'Ich schlafe doch tagsüber. Und jede Nacht, wenn ich fliege, leuchten die Laternen so wunderschön. Ich wollte sie ganz nah bei mir haben, damit ich auch am Tag von dem Licht träumen kann.' Die Eule schaute dabei ein bisschen traurig aus. Piek, Balduin und Fippa schauten sich an. Die Eule hatte die Laternen nicht aus Bosheit genommen. Die Eule hatte die Laternen aus Liebe zum Licht genommen. Das verstand Piek sofort.

Da hatte Piek eine Idee. Eine wunderbar einfache Idee. Piek sagte: 'Liebe Eule, was wäre, wenn wir dir eine eigene kleine Laterne bauen? Eine, die nur für dich ist und die du in deinem Nest behalten darfst – und die anderen Laternen hängen wir wieder an den Pfad?' Die Eule blinzelte. Dann lächelte die Eule so breit, wie Eulen eben lächeln können. Kurze Zeit später half sogar der Fuchs, der zufällig vorbeischlich und neugierig wurde. Der Fuchs hatte lange, geschickte Pfoten und band die Laternen mit frischen Schnüren wieder an die Äste. Fippa sprang von Zweig zu Zweig und reichte die Laternen weiter.

Als die Sonne am Mittag warm durch die Blätter fiel, leuchtete der Laternenpfad wieder in seinem schönen goldenen Glanz. Und ganz oben in der großen Eiche hing nun eine kleine, extra gefertigte Laterne, die nur für die Eule war. Die Eule schaute zufrieden darauf und schloss die großen goldenen Augen. Piek der Igel stand auf dem Pfad und schaute sich um. Balduin, Fippa, der Fuchs – alle hatten geholfen. Der Silbenwald duftete nach Moos und warmem Holz, und die Glühwürmchen tanzten leise durch die sanfte Luft. Piek summte wieder sein kleines Lied. Alles war gut im Silbenwald.
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