Piek und die Eule retten Fünkchen
11 Minuten Vorlesezeit
Piek der Igel entdeckt eines Tages ein kleines, verirrtes Glühwürmchen namens Fünkchen, das nicht mehr nach Hause findet. Zusammen mit der weisen Eule, Balduin dem Dachs, Fippa dem Eichhörnchen und dem listigen Fuchs macht sich Piek auf den Weg durch den Silbenwald — einen Wald voller warmer Laternen, sanftem Nebel und …

Es war ein goldener Nachmittag im Silbenwald. Die warmen Laternen an den dicken Eichenstämmen leuchteten ihr sanftes Orange in den Nebel, der zwischen den Bäumen schlummerte. Piek der Igel trippelte auf seinen kleinen rosa Pfoten den Moospfad entlang und schnupperte zufrieden in die Luft. Es roch nach Erde, nach Pilzen und ein ganz kleines bisschen nach Regen. Piek mochte diesen Geruch sehr. Er summte dabei ein Lied ohne Worte, einfach so, weil der Tag so schön war und der Silbenwald so still und warm um ihn herum lag.

Plötzlich hörte Piek ein Geräusch. Ein kleines, zitterndes Summen — ganz anders als sein eigenes. Piek blieb stehen und spitzte die Ohren. Das Summen kam von einem Brombeerbusch am Wegesrand, und dazwischen blinkte etwas. Ein winziges Licht, gelblich und zitternd wie eine Kerzenflamme im Wind. Piek trat vorsichtig näher und kniete sich hin. Dort, zwischen zwei großen Brombeerblattern, saß ein winziges Glühwürmchen. Es blinkte und blinkte, aber das Blinken sah nicht fröhlich aus. Es sah müde aus. Und ein bisschen verloren.

"Hallo«, sagte Piek ganz leise, damit das Glühwürmchen nicht erschrak. »Ich heiße Piek. Wer bist du?« Das Glühwürmchen blinkte dreimal kurz. »Ich heiße Fünkchen«, piepste eine winzige Stimme, kaum lauter als das Rascheln eines Blattes. »Und ich weiß nicht mehr, wo meine Familie ist. Ich bin einfach immer weitergeflogen und jetzt kenne ich keinen Weg zurück.« Piek sah das kleine Glühwürmchen an und spürte, wie sein Herz ganz warm wurde. »Dann bleib erst mal bei mir«, sagte Piek. »Zusammen finden wir deinen Weg bestimmt. Ich kenne jemanden, der den ganzen Silbenwald kennt.«

Piek und Fünkchen machten sich gemeinsam auf den Weg. Fünkchen saß auf Pieks Stirn, ganz vorsichtig, zwischen zwei Stacheln, und leuchtete dabei ein bisschen, wenn auch noch immer müde. So trippelte Piek den Moospfad entlang, tiefer in den Silbenwald hinein, zu einem großen Holunderbaum, in dessen Ästen eine alte graue Eule saß. Die Eule hatte große gelbe Augen und einen breiten weichen Bauch und sie wusste immer, wo im Silbenwald was zu finden war. »Eule!«, rief Piek. »Eule, wir brauchen deine Hilfe!« Die Eule blinzelte langsam und betrachtete die beiden mit ruhigem Blick.

»Wen haben wir denn da«, sagte die Eule in ihrer tiefen, warmen Stimme, die immer ein bisschen klang wie Holz, das im Ofen knistert. »Ein verirrtes Glühwürmchen, wie ich sehe. Erzähl mir, kleines Fünkchen — wo hast du zuletzt deine Familie gesehen?« Fünkchen überlegte und blinkte dabei nachdenklich. »Es war beim großen Silberbachstein«, piepste Fünkchen schließlich. »Dort, wo das Wasser über die Steine fließt und es immer so nach frischem Moos riecht.« Die Eule nickte langsam und bedächtig. »Den Silberbachstein kenne ich sehr gut«, sagte die Eule. »Ich fliege jeden Abend darüber hinweg. Ich weiß, wo er liegt.«

Gerade als Piek und die Eule losziehen wollten, raschelte es im Unterholz. Heraus kam Balduin der Dachs, breit und gemütlich wie immer, mit Erde an den Pfoten und einem freundlichen Gähnen. »Was ist hier los?«, brummte Balduin. Und kaum hatte Piek ihm alles erklärt, da war Balduin dabei. »Ein verirrtes Glühwürmchen — da muss man natürlich helfen«, sagte Balduin und nickte so entschlossen, dass sein runder Bauch wackelte. Auch Fippa das Eichhörnchen kam von oben heruntergehuscht, mit buschigem roten Schwanz und neugierigen Augen. »Darf ich auch mitkommen?«, fragte Fippa und hopste dabei schon ungeduldig von einem Bein aufs andere.

So zog die kleine Truppe los durch den Silbenwald: Piek voran mit Fünkchen auf der Stirn, dahinter Balduin der Dachs, der mit jedem Schritt gemächlich schnaufte, und Fippa das Eichhörnchen, die manchmal an einem Ast entlanglief und manchmal wieder nach unten sprang. Die Eule flog lautlos darüber hinweg und zeigte mit einer Flügelspitze die Richtung an. Die Laternen im Silbenwald leuchteten sanft, und der Nebel webte zwischen den Bäumen wie weiche Wolle. Fünkchen blinkte jetzt ein bisschen fester — als ob das Laufen mit Freunden dem kleinen Glühwürmchen schon ein wenig geholfen hatte.

Unterwegs begegnete die Gruppe noch dem Fuchs. Der Fuchs saß am Wegesrand und putzte seinen rotbraunen Schwanz. Als er die Freunde sah, hob er neugierig den Kopf. »So viele auf einem Weg — wo geht die Reise hin?« Piek erklärte alles. Der Fuchs stand auf und schloss sich mit einem leichten Lächeln an. »Ich kenne eine Abkürzung«, sagte der Fuchs, »durch den Farnbogen und dann links am großen Pilzring vorbei.« Balduin brummte anerkennend. Fippa klatschte in die Pfoten. Und Fünkchen leuchtete für einen Augenblick so hell auf, dass alle lächelten. Gemeinsam bogen sie in den Farnweg ab.

Und dann hörten sie es: das leise Plätschern von Wasser über Steine. Der Silberbachstein! Er glänzte im warmen Licht der Laternen wie poliertes Silber. Und am Ufer, zwischen den Binsen und dem weichen Moos, blinkte und leuchtete es in hundert kleinen Lichtern. Die Familie der Glühwürmchen! Als Fünkchen sie sah, hob das kleine Glühwürmchen ab von Pieks Stirn und leuchtete so hell und freudig wie noch nie. Die anderen Glühwürmchen flogen sofort auf Fünkchen zu und alle zusammen tanzten sie einen kleinen Lichtkreis über dem Bachstein. Piek, Balduin, Fippa, der Fuchs und die Eule schauten zu und lächelten.

Fünkchen flog zurück zu Piek und blinkte ganz nah vor Pieks Nase: einmal, zweimal, dreimal. Das bedeutete Danke — das wusste Piek einfach. »Pass auf dich auf, kleines Fünkchen«, flüsterte Piek. Dann flogen alle Glühwürmchen davon, ein leuchtender Schwarm über dem Silbenwald, der in der weichen Abenddämmerung noch lange zu sehen war. Piek, Balduin, Fippa, der Fuchs und die Eule wanderten gemeinsam zurück. Die Laternen leuchteten warm. Der Nebel lag weich auf dem Moos. Und Piek summte wieder sein Lied ohne Worte — diesmal ein bisschen lauter, weil dieser Tag so schön gewesen war.
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